Eine weitere Werkgruppe bilden schlanke, schmalhüftige „Torsi“, bloße Oberkörper ohne Ansatz von Gliedmaßen oder Kopf, deren Oberflächen wie felsige Wüstenlandschaften wirken. Die zerklüfteten, von vertikalen Einschnitten und Erhebungen bestimmten Körper lassen auch an einen vulkanischen Ursprung denken („torso 2“, 2000). Die geomorphologischen Verknüpfungen sind im biografischen Kontext zu verstehen, so dokumentieren die häufigen Reisen der Künstlerin nach Afrika, z. B. nach Südalgerien und in die Libysche Wüste, ihre besondere Vorliebe für einsame, einzigartige Landschaften.


Torso
35 cm/72 cm
2000

Flügelwesen
28 cm /42 cm
1998

 

Die Authentizität ihres Schaffens sieht Ute Sternbacher-Bohe gerade in dieser gegenseitigen Beeinflussung von persönlich Erlebtem und künstlerischer Form, Material, Farbe.Folglich nutzt Ute Sternbacher-Bohe die verschiedenen keramischen Brenntechniken, um den bildnerischen Formen ihr ganz eigenes, charakteristisches Aussehen zu verleihen. Eine Erweiterung in den Arbeitsweisen erfuhr sie im ungarischen Siklos während der Sommermonate 1995-97. Ganz anders als die aus rotem Ton mit Oxyden gebrannten „Torsi“ wirken die in Raku-Technik gestalteten „Flügelwesen“, vasenförmige Körper mit flügelartig ausgebildeten Armstümpfen und langen Hälsen, die eine kühle Ruhe und Melancholie ausstrahlen. Die weniger geglätteten Oberflächen unterstreichen die ästhetische Wirkung der Formen.

Geflügelte Wesen sind Gestalten der Mythologie. Ihnen werden magische Kräfte zugewiesen. Die Magie dieser Figuren von Ute Sternbacher-Bohe erklärt sich aus ihrer eigentümlichen Entrückung und ihrer Stellung jenseits der Realität. Das Schmerzliche der rot gebrannten Oberkörper hat hier eine hoffnungsvolle Entsprechung gefunden.

Flügelwesen 2001

 

Auch die teilweise glasierten „Sonnenscheiben“ der Künstlerin, mit Craquelé-Bildung, verweisen inhaltlich auf prähistorisch-mythische Vorbilder. Der Gedanke an die Verwurzelung des Menschen in Vergangenheit und Gegenwart, in Wirklichkeit und Vorstellungskraft gleichermaßen, manifestiert sich auch in Ute Sternbacher-Bohes tönernen Texttafeln, die mit kurzen Texten, literarischen Zitaten und philosophischen Gedanken versehen sind ... „Erinnerungen an eine Reise ... das Paradies ist nebenan“ ...

( Dr. Sabine Heilig, Nördlingen )

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